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Thema: Erzähl-Café

Erzähl-Café mit Rudolf G. Scharrmann „Königin Luise – Leben und Mythos“ am 18. Juni 2026

Rudolf G. Scharmann, geboren 1957 in Ulrichstein/Hessen, studierte Kunstgeschichte, Geschichte/Historische Landeskunde und Christliche Archäologie an der Philipps-Universität in Marburg und an der Freien Universität in Berlin.

Seit 1982 war er in Berlin Schlossführer in Charlottenburg, Grunewald, Pfaueninsel und Glienicke sowie nach 1989 in den Schlössern und Gärten Potsdam Sanssouci tätig. Er arbeitete freiberuflich als Stadt- und Museumsführer und beim Musikpädagogischen Dienst Berlin als Dozent an Berliner Volkshochschulen mit Kursen zur Geschichte und Bedeutung Preußischer Schlösse rund Gärten in Berlin—Brandenburg. Von 1996 bis 2024 Schlossleiter (Kastellan) des Schlosses Charlottenburg bei der Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg.

Luise von Preußen fasziniert ihn bis heute. In einer Zeit, in der die preußische Monarchie auf der Kippe stand, bezauberte die junge Königin in ihrer zugewandten Art viele Menschen und wuchs angesichts schwieriger Zeitumstände weit über sich hinaus. Rudolf G. Scharmann beschreibt Luises privates und öffentliches Leben in seinem Buch und gibt zugleich einen Überblick über die spätere Verklärung und Entstehung des Luisenkults. 

August Wilhelm Schlegel schrieb 1798 „Luisens Lächeln heißt den Kummer scherzen. Vor ihrem Blick ist jedes Leid entflohn. Sie wär in Hütten Königin der Herzen. Sie ist der Anmut Göttin auf dem Thron.“

Königin Luise (1776-1810) feiert in diesem Jahr ihren 250. Geburtstag. Scharrmann zeigt in seiner Präsentation die vielen Stationen ihres Lebens auf, und an Hand der Gemälde und Skizzen konnte man sehen, wie jede Künstlerin oder jeder Künstler die Königin aus seiner Sicht interpretierte. König Friedrich Wilhelm III. und Luise waren ein harmonisches Paar, das sich auch aus den Darstellungen ersehen lässt. Ungewöhnlich für ei Königspaar. In ihrer Ehe bekam Luise 10 Kinder. Nicht gerade einfach ihrer kurzen Ehezeit von 13 Jahrwn. 

Natürlich und unbefangen soll sie das steife preußische Hofzeremoniell missachtet und ihrem kronprinzlichen Gemahl Friedrich Wilhelm in der Hochzeitsnacht (1793) das vertrauliche „Du“ angeboten haben. Als treue Gattin und zehnfache Mutter führt sie in den königlichen Schlössern eine bürgerliche Idealfamilie und versuchte, als enggierte Anhängerin politischer Reformen, den ewig unentschlossenen König zu beeinflussen. Den vorsichtigen Bestrebungen seiner Gemahlin, “sich weiterzu-entwickeln und weiterzubilden“, begegnete er dagegen verständnislos und misstrauisch. In der Sichtweise es bürgerlichen Zeitalters verkörperte sie den Idealtyp einer guten Ehefrau und Ratgeberin. So entwickelte sich schon zu Lebzeiten um die Königin ein Mythos, der durch ihren frühen Tod noch gesteigert wurde.

Ihre Lieblingsorte wurden aufgezeigt: das Schloss Charlottenburg, Schloss Sanssouci, Schloss Paretz und die Pfaueninsel. Sie liebte den Luxus, die Kleider, den Schmuck, und sie kleidete sich immer nach der neuesten Mode. Der König schätzte das sehr. Mit Josefine, Napoleons erster Frau, stand sie in brieflichen Kontakt. Sie bewunderte Josefine und deren Schwäche für Hortensien, die auch ihr Favorit bei Blumen waren. Hortensien warn seinerzeit eine Seltenheit und nur an königlichen Höfen zu finden.

Luises kurzes Leben fiel in eine Epoche weitreihendet politischer und gesellschaftliche Umbrüche. Dramatische historische Ereignisse, wie die Französische Revolution von 1789, der Untergang des Ancien-Regimes, die Koalitionskriege gegen Frankreich und der Aufstieg  Napoleons bestimmten über ihr persönliches Schicksal, ebenso wie der Zusammenbruch Preußens 1806 und die flucht der Herrscherfamilie, die französische Besatzung, der einsetzende Widerstand und die beginnenden preußischen Reformen.

Marie Gräfin von Voß, Oberhofmeisterin und „Erzieherin“ der Königin hatte ihre liebe Not, Luise das preußische Hofzeremoniell nahe zu bringen.

Scharrmann brachte durch seine Hintergrundinformationen über Luise das Publikum Schmunzeln. Über ihre Schwäche für Luxus, die Leidenschaft zu tanzen und die Unbekümmertheit im Umgang mit Menschen. An einem überaus heißen Nachmittag führte uns Scharrmann in die Welt der Königin Luise sein. Die Zuhörerinnen und die Zuhörer waren von den Ausführungen gefesselt, wie er über das Leben und den Mythos berichtete. Es war mehr als informativ und wurde enthusiastisch vorgetragen, der Funke sprang herüber. Großer Dank an Herrn Rudolf G. Scharmann. Im Frühjahr 2027 ist ein Nachmittag mit ihm über die „Preußischen Prinzessinnen“ geplant.

Berlin, 27. Juni 2026
Eveline Harder

Foto: Oikki Mette

Text enthält Auszüge aus dem Buch von R. G. Scharrmann „Königin Luise – Leben und Mythos“