Stadtteilzentrum Käte-Tresenreuter-Haus

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Thema: Erzähl-Café

Erzähl-Café mit Torsten Harmsen mit seinem Buch „Broiler, Wimpel, Westpakete“ am 7. Juni 2026

Torsten Harmsen, 1961 in Berlin geboren, lernte Schriftsetzer und studierte Journalismus. Seit 1988 arbeitet er als Redakteur in der Berliner Zeitung, zuletzt im Feuilleton und im Wissenschaftsressort. Er schreibt Bücher wie „Neulich in Berlin“, „Der Mond ist ein Berliner“, „Berlin brummt“ und „Nazi und Kommunist“. Anfang März 2026 ist sein neuestes Buch erschienen, das wieder stark mit Berlin, der Umgebung und Historien zu tun hat. Er spürt in diesem Buch den Gegenständen aus seiner Kinderzeit und Jugend nach. Torsten Harmsen bot uns einen amüsanten und fröhlichen Nachmittag mit seinem neuesten Buch. Er trifft gerade den Nerv der Zeit und hat in kurzer Zeit schon die 3.Auflage erreicht. Seine Mutter war Lehrerin und der Vater Schuldirektor. Harmsen kannte kein West-Fernsehen und auch keine Westpakete. Eine abgeschlossene kleine Welt.

Der Mensch wächst mit den Dingen. Sie verändern sich, sie verschwinden, andere kommen neu hinzu. Das hört nie auf. Und wenn alte Leute jammern, dass die Welt „früher ganz anders“ gewesen sei, dann beklagen sie zum großen Teil den Verlust von Dingen. Und sie schütteln ihre Köpfe über die Vielzahl des Neuen, mit dem sie nichts anfangen können. Ja, früher gab es Röhrenradios, Schreibmaschinen, Diaprojektoren, Telefonzellen, Pferdefuhrwerke,  Teppichklopfer und vieles mehr. Manche lamentieren, es gab Wimpel, Pioniertücher und fröhlich flackernde Fackeln. Dabei handelt es sich um Nostalgie, die eher mit dem Verschwinden der eigenen Jugend zu tun hat.

Er erzählte Geschichten, wie Nägel aus Brettern herausgezogen und sicher in Dosen zum weiteren Gebrauch verwahrt wurden. Man konnte alles wieder verwenden. Geschenkpapier wurde akribisch geglättet und für weitere Zwecke aufgehoben. Für Einkäufe benutzte man Stoffbeutel, Netze, Tüten sowie die Alu-Milchkanne. Das waren alles Gefäße, mit denen man einkaufen ging. Der ganze Plastikkram kam erst nach der Wende oder war in Westpaketen zu finden. Die Weg-Werf-Gesellschaft stellte sich später ein. Wer erinnert sich noch an Klopfstangen? Sie dienten dazu, Teppiche darüber zu hängen und auszuklopfen. Gleichzeitig waren sie Spielort und Treffpunkt und bildeten das Zentrum vieler Spiele. Irgendwann wurden die Klopfstangen abgeschafft. Erinnerung eben. Es ging weiter mit Schulmilch, Kachelofen, Schwimmhilfe, Altstoffsammlung, Erbsengewehr, Wandzeitung, Zeigestock und vieles mehr. 

„Überholen, ohne einzuholen“ – diesen Slogan hatte DDR-Chef Walter Ulbricht 1970 ausgerufen. Das bedeutete: Man wollte besser werden als der Kapitalismus im Westen, aber auf anderen Wegen. Im Alltag sah das so aus, dann man versuchte, ähnliche Dinge herzustellen wie der Westen, ihnen aber andere Namen gab. Ende der 1970er Jahre konnte man plötzlich am Alex Ketwurst kaufen, eine Art Hot Dog. Das lange weiche Brötchen wurde aber nicht aufgeschnitten. Die Wurst kam in ein Loch, das vorher ins Brötchen gebohrt worden war. Eine Grilletta wiederum war eine Art Hamburger. Und in der Krusta-Stube gab es eine Variante von Pizza. Doch wirklich legendär war der Broiler, ein gegrilltes Hähnchen. Mit ihrem Broiler war die DDR amerikanischer als der amerikanisierte Westen.

55 Dinge aus einem ostdeutschen Leben werden aufgezeigt. Im Publikum war zu hören „ach, ja!“, „das kenne ich auch“, „das hätte ich beinahe vergessen“. Ostalgie, nicht wehmütig, sondern erinnerungswürdig. Ein schönes Erinnerungsbuch zum Verschenken. Den Zuhörern hat es sehr gefallen, und sie suchten anschließend das Gespräch mit dem Autor, um sich auszutauschen. 

Ein lustiger Nachmittag nahm ein Ende. Großer Dank an Torsten Harmsen! Gern würden wir ihn wieder einmal bei uns begrüßen wollen.

Eveline Harder
Foto: Monika Borchert

Der Text enthält Teile aus dem Buch „Broiler, Wimpel, Westpakete“.