„Bach bewegt“ – Der Komponist im Film
Knut Elstermann, Jahrgang 1960, studierte Journalistik in Leipzig und arbeitete als Redakteur in verschiedenen DDR-Medien. Seit der Wende ist er als freier Moderator und Filmjournalist tätig, vor allem für MDR Kultur und für den rbb (radioeins). Er verfasste zeitgeschichtliche Bücher sowie zahlreiche Features für Fernsehen und Hörfunk, u. a. über die DEFA-Geschichte.
Knut Elstermann ist Mitglied der Akademie für Darstellende Künste und wurde ausgezeichnet mit dem Ehrenpreis von First Steps 2015 sowie dem Ehrenpreis der Unabhängigen Filmverleiher. Elstermanns Buch ist eine Liebeserklärung an Bach, umkreist aber zugleich auf unaufhaltsame Weise die grundsätzlichen Fragen nach biografischem Erzählen.
Wenn ein Autor so begeistert von seinem Thema ist und der Inhalt so fundiert, mitreißend und lebendig vorgetragen wird, dann springt der Funke auch auf das Publikum über. Die verschiedenen Ausschnitte aus Bach-Verfilmungen untermauerten das Gesagte. Die Zuhörerinnen und Zuhörer lauschten gespannt dem Vortragenden.
2025 feiern wir das Bach-Jahr zum 250. Todestag des Künstlers. In diesem Jahr findet das große Bach-Fest im Juni in Leipzig statt.
Elstermann begann über sein Erweckungserlebnis zu erzählen – das Weihnachts-Oratorium, das er mit ca. 12 Jahren erlebt hatte. Am Alexanderplatz kaufte er damals Karten für seine Eltern und sich. Musikalisch war für ihn nach diesem Abend nichts mehr wie vorher.
Die Chöre und Choräle, die lieblichen Arien, Wiegenlieder für den neugeborenen Gottessohn, das himmlische Konzert der Engel und Hirten, die packenden biblischen Erzählungen des Evangelisten lösten bei ihm eine lebenslange Begeisterung für Bachs Werke aus. Und diese Leidenschaft hat ihn bis heute nicht verlassen.
Er besuchte alle Orte, in denen Bach wohnte, wirkte oder spielte, sah sich die verschiedenen Museen an und sprach mit den entsprechenden Fachleuten über „seinen Komponisten“.
Er kommentierte die gezeigten Filmausschnitte, und die dargebrachten Musikstücke verursachten Gänsehaut. Ein so produktiver Komponist, Organist und Cellist – einfach unglaublich.
Im Internet sind etliche Filme über Johann Sebastian Bach zu finden. Beeindruckend war auch der Ausschnitt einer niederländischen Inszenierung, die mit Obdachlosen gefilmt wurde.
Mit zunehmendem Alter, sagt Elstermann, habe er neue Vorlieben entwickelt: das „Wohltemperierte Klavier“ und die „Goldberg-Variationen“.
Bach habe sich in sein Leben eingeschrieben – seine Flugangst, die ihn schon bei kleinsten Turbulenzen überfällt, bekämpft er mit dem stummen Absingen von „Wenn es meines Gottes Wille“ aus der Kantate „Komm, du süße Todesstunde“.
Das war ein hinreißender Vortrag, der alle Zuhörer begeisterte. Einige Teilnehmer bestätigten, sich nun näher mit Bach beschäftigen zu wollen.
Es war schön, Knut Elstermann wieder im Erzähl-Café begrüßen zu können. Wir alle danken ihm ganz herzlich für diese lebendige Vortragsweise.
Auf weitere Besuche von Knut Elstermann im Schlösschen freuen wir uns schon jetzt.
Eveline Harder
25.6.2025
Fotos: Moika Borchert


