Aufgrund des hohen Interesses fand eine zweite Veranstaltung mit dem Botschafter und seiner Frau Liz im Schlösschen-Café statt. Und es war wieder ausgebucht. Dr. Hans-Carl von Werthern, Jahrgang 1953, studierte nach seinem Abitur und dem Amerikanischen High School Diplom Volkswirtschaftslehre an der Universität Mainz und war anschließend dort Wissenschaftlicher Mitarbeiter. Es folgte eine Ausbildung als Attaché im Auswärtigen Amt in Bonn, und er trat dann 1987 als Ständiger Vertreter des Botschafters seine erste Stelle in der Botschaft von Hanoi/Vietnam an. In der damaligen Zeit eine Herausforderung und kein Vergleich zur heutigen Situation. Es folgten Stationen in Asuncion/Paraguay und nach Peking/China. Von 2014 bis 2019 war er in der Botschaft in Tokoy/Japan tätig. Normal ist es, alle 3 bis 4 Jahre den Auslandsposten zu erfüllen, um dann drei Jahre in Deutschland auf die hiesigen Verhältnisse eingeschworen zu werden. Für Frau und Kinder keine leichte Sache. Immer wieder neue Schulen, neue Freunde, andere Sprachen, andere Umgebung. Liz von Werthern hat ihre drei Töchter und natürlich ihren Mann in allen Belangen unterstützt und als Organisatorin und Managerin die Residenz geleitet. Gerade in Tokoy hatten sie pro Jahr 5.000 bis 6.000 Gäste zu bewirten und zu betreuen mit Unterstützung eines Kochs, einer Hausangestellten und 20 bis 25 einheimischen Lohnkellnern.
Die Aufgaben eines Botschafters sind vielfältig. Die allgemeine Meinung ist, dass ein Botschafter gepflegt mit einem Glas Champagner in der Hand am Swimmingpool herumsteht. Das kommt natürlich auch vor, aber die täglichen Aufgaben stellen sich anders dar. Eine Botschaft ist ein kleines Auswärtiges Amt im Ausland. Der Botschafter und sein Ständiger Vertreter sind für Wirtschaftsfragen, Kultur, Rechts- und Konsularwesen zuständig und verfügen über eine politische Abteilung. In Tokyo gab es 70 Entsandte sowie 70 Ortsbeschäftigte in den verschiedenen Abteilungen. Er hat die Personalverantwortung in diesem Bereich. Es wird versucht, ein reales Bild von Deutschland als Wissenschaftsstandort und als Studienplatz zu vermitteln. Wenn den Reisenden etwas zustößt, nimmt sich die Botschaft den Problemen an. Der Botschafter ist für Public Relation, den Umgang mit Journalisten, für die Auftritte im Fernsehen zuständig und tätigt einen Blog. Stolz berichtete Dr. von Werthern, dass er in seiner Zeit in Japan alle 47 Präfekte besucht hat. Drei Viertel in offizieller Funktion, der Rest privat. Nur der japanische Kaiser hat wie er das vollzogen. Natürlich werden auch Kontakte zum Goethe Institut; zur Japanisch-Deutschen Gesellschaft, zu den Handelskammern und den in Japan niedergelassenen deutschen Firmen gepflegt.
Der Frauenanteil ist unter den Botschaftern noch gering. Langsam ist ein Aufwärtstrend festzustellen. Zwei Begriffe wurden erläutert: Der Dolmetscher nennt sich fachgerecht Sprachmittler. Der No-Talker ist bei allen Gesprächen dabei und erstellt hinterher darüber einen Bericht, ähnlich eines Prokollanten. Aus dem privaten Bereich wurde über die verschiedenen Schulen berichtet, alles mit herrlichen Anekdoten versehen.
Alles in allem ein hochinteressanter Nachmittag, der allen Zuhörerinnen und Zuhörern mehr als zugesagt hat. Viele interessante Fragen wurden gestellt und Liz von Werthern ergänzte die Ausführungen ihres Mannes mit eigenen Erlebnissen. Großer Dank an Herrn Dr. Hans Carl von Werthern und seine Frau Liz für die aufschlussreichen Stunden. Es war eine Freude, ihnen zuzuhören.
Berlin, 31. März 2025
Eveline Harder
Fotos: Rolf Meyer

