Stadtteilzentrum Käte-Tresenreuter-Haus

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Thema: Erzähl-Café

Erzähl-Café am 19. Januar 2025 mit dem Botschafter a. D. Dr. Hans Carl von Werthern „Was macht ein Botschafter den ganzen Tag“

Dr. Hans Carl von Werthern, Jahrgang 1953, machte 1971 sein Abitur und schloss das Amerikanische High School Diplom 1972 in Washington ab. Nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre an der Universität Mainz war er dort Wissenschaftlicher Mitarbeiter. Es folgte eine Ausbildung als Attaché im Auswärtigen Amt in Bonn und 1987 trat er als Ständiger Vertreter des Botschafters seine erste Stelle in der Botschaft von Hanoi/Vietnam an. In Hanoi lernte er seine Fau Liz kennen, die an der Britischen Botschaft arbeitete. Von 1994 bis 1997 ging es dann an die Botschaft von Asuncion/Paraguay als Ständiger Vertreter des Botschafters. Sein Weg führte ihn nach dem Magister in Internationale Beziehungen am King’s College in London weiter als Ständiger Vertreter des Botschafters nach Peking/China. Von 2014 bis 2019 war er Botschafter in der Botschaft in Tokyo/Japan. Drei Töchter wurden geboren. Wie alle anderen Botschaftsangehörigen musste er auch nach drei Jahren nach Deutschland zurückkehren, um wieder auf das Land eingeschworen zu werden. Ende Juli 2019 ging er in den Ruhestand und ist als Partner bei Kramer &Werthern für Mediation, Coaching und Beratung tätig.

„Egal wie schnell das Leben an einem vorbeizieht. Es bleiben Erinnerungen, die man nie vergisst.“ Nach einer kurzen Einführung stellte von Werthern den Zuhörern die Frage, was sie gern wissen wollten. Der Unterschied zwischen Botschaft und Konsulat wurde abgefragt. Eine Botschaft ist die Vertretung im Gastland, die mit rechtlichen Dingen befasst ist, Pässe und Ausweise ausstellt sowie Sozialhilfe im Ausland vergibt, die in der Regel zurückerstattet werden muss. Und die Botschaft hilft Menschen aus Krisengebieten herauszuholen. In großen Ländern gibt es neben den Botschaften zusätzlich Konsulate. Diese sind für wirtschaftliche Beziehungen und das Ausstellen von Pässen zuständig. Insgesamt gibt es 200 Auslandsvertretungen, davon 153 Botschaften und zusätzlich 60 Konsulate, Generalkonsulate und Honorarkonsulate sowie 12 Multilaterate Vertretungen. Honorarkonsulate sind Institutionen, die eine besondere Beziehung zu Deutschland haben. Hier werden ebenfalls Passanträge bearbeitet.

Er erläuterte die sprachlichen Anforderungen und ging auf die verschiedenen Kulturen in den Länder Vietnam, Paraguay, China und Japan ein. Bei seinen Kindern achtete er immer darauf, dass sie im deutschen Schulsystem bleiben. Schwierig ist es für diese, alle drei Jahre das Land, die Schule und die Sprache zu wechseln und den Freundeskreis zu verlieren. Viele Anekdoten begleiteten den Vortrag, den seine Frau durch eigene Erfahrungen ergänzte. Sie war eine sogenannte Residenzmanagerin. In Tokyo zum Beispiel hatten sie pro Jahr 5.000 bis 6.000 Gäste in der Residenz zu bewirten, was ihre Aufgabe war. Ein Koch, eine Haushaltsangestellte und 20 bis 25 Lohnkellner standen ihr dabei zur Seite. Man stellt sich immer vor, dass ein Botschafter stets mit einem Glas Sekt in der Hand den ganzen Tag herumsteht. Das sei auch so, nur dass sich dahinter wirtschaftliche und diplomatische Aufgaben verbergen. Er berichtete über Japan, dass hier täglich Erdbeben zu spüren sind. Die Japaner gehen gelassen damit um. Man stellt sich am besten unter einen Türrahmen oder flüchtet unter einen Tisch, wobei die Tischbeine festzuhalten sind, damit dieser sich nicht fortbewegt. Es wurde immer wieder intensiv nach dem Leben in Vietnam, China oder Japan nachgefragt, denen der Botschafter auskunftsfreudig nachkam.

Ein spannender Nachmittag war das für das Publikum, das ihn nicht gehen lassen wollte. Aufgrund des hohen Interesses wird die Veranstaltung am 23. März 2025 wiederholt. Großer Dank an den Botschafter Dr. von Werthern mit seiner Frau Liz für den hochinteressanten Auszug aus ihrem Leben.

Berlin, 26.Januar 2025

Text und Foto Eveline Harder