Der Berliner Schauspieler, Sonderschullehrer und Gitarrist Fred Kastein hat sich intensiv mit dem deutschen Dichter Heinrich Heine beschäftigt. Seine erste szenische Lesung präsentierte Kastein 2003 und danach gab es bis 2014 viele Wiederholungsvorstellungen an bekannten Orten. Fred Kastein zelebriert in der Rolle des alten, kranken Dichters die Jugendzeit, die Zeit der Liebe und Erotik, die Zeit der revolutionären sowie ironischen Berichte, seine Emigration und die Zeit in Frankreich, das Verbot aller seiner Schriften in Deutschland und auch seine Gedanken über Religion.
Viele Gedichte und Schriften zeugen von Heines Humor, Sprachwitz und seinem „savoir vivre“. Zwischen den Texten erklang Musik der Romantik von zeitgenössischen Komponisten Heines von Hartmut Valenske am Piano.
Mit Heines Lied „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten…“ begann der Pianist die Vorstellung. Dann trat Fred Kastein als Heinrich Heine auf mit den bedeutungsvollen Worten „Denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht.“ Die Zeit Heines in Paris ab 1831 wurde mit dem Lied „Parlez-moi d’amour“ eingeläutet. Die französische Nationalhymne (La Marseillaise) erklang, die im Juni 1795 offiziell zum französischen Nationalgesang erklärt wurde. Die Harzreise wurde beschrieben und Heines Gedanken zum katholischen Glauben. Hier erklang „Je te veux“ von Erik Satie. Es wurde das Gedicht vom Unglück vorgetragen:
„Das Glück ist eine leichte Dirne
Und weilt nicht gern am selben Ort
Sie streicht das Haar dir von der Stirne
und küsst dich rasch und flattert fort.
Frau Unglück hat im Gegenteile
dich liebefest ans Herz gedrückt.
Sie sagt, sie habe keine Eile,
setzt sich ans Bett und strickt.
Kastein begleitete uns durch das Leben Heines mit wunderbaren Texten, immer wieder durch die Musik der Romantik unterbrochen.
„Die Träumerei“ von Schumann erklang unter anderem. Zum Schluss trug Fred Kastein den Grabspruch Heinrich Heines vor: „Wo wird einst des Wandermüden letzte Ruhestätte sein? Unter Palmen in dem Süden? Unter Linden am Rhein?“ Heines Grab liegt auf dem Friedhof Montmartre in Paris. Die „Nocturne Nr. 9“ von F. Chopin beendete
die Vorstellung.
Es war alles in allem ein berauschender Nachmittag mit den ausgewählten Texten, Gedichten und Liedern, die Kastein mit Charme, Esprit und Witz vorgetragen hat. Einfach fantastisch! Hartmut Valenske am Flügel beeindruckte mit seiner Virtuosität und seinem Einfühlungsvermögen. Ein Ohrengenuss! Das Publikum war hellauf begeistert. Wir freuen uns auf den nächsten Auftritt in unserem Haus.
Eveline Harder
31. Mai 2025
Fotos: Fred Kastein


